# 158 Besteigung des Fujisan

Eigentlich gibt es noch andere Dinge über die ich schreiben wollte, aber ich möchte euch jetzt lieber von unserer Besteigung des Fuji berichten. Achtung: der Beitrag ist mein bisher mit Abstand längster, beinhaltet viele Bilder und zum ersten mal auch ein Video.

Wir wollten ja eigentlich schon am 08. und 09.08. den Aufstieg wagen und hatten auch schon alles gebucht, aber dann kam der Taifun und hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zum Glück ließ sich alles problemlos stornieren.

Wir haben also das Wetter beobachtet und auf den richtigen Tag gewartet. Außerdem mussten wir auch noch eine Fahrt zum Fuji, eine Übernachtung auf dem Fuji und die Rückfahrt für den Tag bekommen.

Am Montag entschlossen wir uns dann am Mittwoch den 15.08. aufzubrechen und buchten Hin- und Rückfahrt per Internet, sowie Unterkunft per Telefon. Zum Glück auf Englisch.

Am Tag zuvor haben wir unsere Rucksäcke mit allem gepackt, was für den Aufstieg erforderlich ist. Hier ein Bild von meinem Gepäck. Das Gewicht kenne ich nicht, aber ich schätze es waren etwa acht Kilogramm.

DSCN6046

Am Mittwoch ging es dann los. Wir sind um 6:45 Uhr aufgestanden haben gefrühstückt und sind mit der U-Bahn Nach Shinjuku gefahren. Von dort fuhr 9:35 Uhr unser Highwaybus zur fünften Station des „Yoshida Trail“. Schon die Fahrt war toll, denn wir verließen die Monsterstadt Tokyo und fuhren in die Berge. Ich konnte sogar den Fuji aus dem Bus heraus fotografieren. Leider sehr wolkenverhangen.

Gegen 12:25 Uhr sind wir an der fünften Station auf 2305 m Höhe angekommen. Dort war es merklich kühler als in Tokyo. Außerdem wechselten sich Nebel und Sonne alle paar Minuten ab. Auch ist es voll mit Menschen. Viele wollen den Fuji besteigen, aber es kommen auch viele Menschen zur fünften Station um mal am Fuji gewesen zu sein.

Wir hielten uns noch 50 Minuten auf der Station auf, um uns an die Höhe und die dünnere Luft zu gewöhnen. Außerdem kauften wir uns jeder für 1000 Yen einen der Fuji-Wanderstöcke mit Glöckchen dran.

Um 13:15 Uhr begann unser Aufstieg über den 7,5 km langen Yoshida Trail. Der erste Kilometer ist gemütliches Wandern. Es kommen einem teilweise völlig ausgelaugt aussehende Menschen entgegen. Es war sehr neblig mit unter 50 m Sicht.

Nach etwas über einem Kilometer wandern ging es dann doch deutlich nach oben. Zuerst in Serpentinen, später auch mit Klettereinlagen. Das Klettern ist zwar etwas anstrengend, aber für jeden machbar. Gefährlich ist es auch nicht wirklich. Es waren ziemlich viele Menschen unterwegs, sodass es an den Stellen zum Klettern zu leichtem Stau kam. Während man die Serpentinen mehrspurig nach oben gehen kann, kann bei den Klettereinlagen immer nur nacheinander geklettert werden.

Um 15:30 Uhr erreichten wir die 7. Station. Die liegt auf 2790 m Höhe. Damit hatten wir unsere ersten 490 Höhenmeter geschafft. An der Station kann man sich ausruhen sowie 500 ml Wasser für 500 Yen, Snacks und anderes kaufen. Wir brauchten das alles nicht, weil wir jede Menge Snacks und Getränke dabei hatten. Ausgeruht haben wir uns aber kurz.

Nach kurzem Ausruhen gingen wir weiter. Ab und zu machen wir Pausen. Vor allem um die Ansichten auf Foto festzuhalten. Es war zwar sehr bewölkt und die Sicht dementsprechend gering, aber das Meer aus Wolken war auch schön anzusehen. Das Wetter war sehr angenehm für die Besteigung. Kein Regen, keine Sonne und nicht zu viel Wind.

Ich hatte extra für die Fuji-Besteigung mein Paar Bundeswehrstiefel mitgenommen. Die haben mir seit 2009 gute Dienste geleistet und ich hatte nicht erwartet, dass die mir während der Besteigung kaputt gehen könnten. Aber genau das ist passiert. Bei beiden Stiefeln begann sich die Sohle zu lösen. Das war ein ernstes Problem, denn ohne funktionierendes Schuhwerk wäre die Besteigung hier vorbei gewesen.

Wir benutzten die Glockenbändchen unserer Wanderstöcke, um die Sohlen etwas zu fixieren und stiegen weiter auf.

Zum Glück waren wir bald an der 8. Station, wo sich die Berghütte Taishikan befindet, in der wir eine Übernachtung gebucht hatten. Dort bekamen wir unseren Schlafplatz, in einem Raum mit etwa 50 andern, zugewiesen. In der Taishikan ist übrigens Platz für 350 Menschen ist. Sieht von Außen nicht danach aus, ist aber innen erstaunlich groß. Die Toiletten befanden sich außerhalb der Hütte und kosteten je Benutzung 200 Yen. Bei einer sauberen und funktionieren Toilette auf 3100 m Höhe nicht teuer.

Außerdem gab es Reis mit Curry, Würstchen, Fisch und Tee als Abendessen. Für den nächsten Morgen bekamen wir jeder 500 ml Wasser, fertig gekochten Reis und einen kleinen Kuchen.

Als nächstes fragte ich beim Hüttenpersonal nach, ob es eine Möglichkeit gibt meine Schuhe zu reparieren. Ich war nicht der erste dem die Schuhe kaputt gegangen waren, das passiert öfter. Da die provisorische Reparatur nicht für den Aufstieg halten würde, bekam ich ein Ersatzpaar Wanderschuhe mit denen ich aufsteigen sollte und die ich dann beim Abstieg wieder gegen meine Stiefel eintauschen sollte. Damit war das Schuhproblem erst mal gelöst.

Danach putzen wir uns auf 3100 m Höhe die Zähne und lagen schon gegen 18:45 Uhr auf den uns zugewiesenen 2 m² in unseren Schlafsäcken. Ich war aber hellwach und habe die ganze Nacht nicht geschlafen. Auch meine Freundin hat nicht so viel geschlafen. Zumindest haben wir aber unsere Körper für den weiteren Aufstieg gut ausgeruht.

Wir standen um 2:45 Uhr auf, packten alles wieder in unsere Rucksäcke, aßen unser Frühstück und machten uns gegen 3:40 Uhr auf den Weg zum Gipfel. Während der Nacht ist das Wetter leider merklich schlechter geworden. Der Wind hatte ordentlich zugenommen und pfiff uns beim Verlassen der Hütte um die Ohren.

Eigentlich wollten wir nicht im Dunkeln aufsteigen, aber jetzt taten wir es doch. bewaffnet mit einer Kopflampe und einer Taschenlampe kletterten wir vollkommen allein weiter nach oben. Der starke Wind und die Dunkelheit machten das Klettern etwas schwerer und vielleicht auch etwas gefährlicher. Wir haben es aber gut überstanden und erreichten eine weitere Berghütte, von der aus wir uns den Sonnenaufgang ansehen konnten. Das war zwar nicht sooo mystisch und spirituell, aber schon nicht schlecht 😉

Während des Aufstieges wurden unsere Rucksäcke immer leichter. Das lag zum einen daran, dass wir bei größeren Pausen immer etwas tranken und Snacks verspeisten und zum anderen daran, dass wir uns immer mehr Schichten aus Kleidung anzogen, da es immer kühler wurde. Wir hatten genau richtig kalkuliert und mussten nicht frieren.

Je weiter wir aufstiegen, um so dünner wurde auch die Luft. Dadurch haben wir auch öfter Pausen gemacht und sind in gemütlichem Tempo unterwegs gewesen. Zur Veranschaulichung hier mal zwei Bilder von einer Kekspackung. Das erste Bild ist auf  etwa 3350 m entstanden und das zweite von der 5. Station (2305 m).

Gegen 6:20 Uhr erreichten wir die 8,5 Station auf 3450 m Höhe. Dort machte ich die letzten Bilder vom Aufstieg, denn das Wetter verschlechterte sich dann dramatisch, sodass ich mich nicht mehr traute meine Kamera rauszuholen. Der Wind nahm noch einmal zu und es kam auch noch Regen dazu.

Durch das schlechte Wetter waren die letzten 300 Höhenmeter kein Vergnügen. Der Regen kam nicht nur von oben, sondern durch den Wind von allen Seiten. Außerdem zog der Wind mit etwa 70 kmh so sehr an uns, dass wir Angst hatten einfach vom Berg geblasen zu werden.

Gegen 7:30 Uhr erreichten wir den Kraterrand und waren somit oben angekommen. Hier erwarteten uns noch mehr Wind und Regen, sodass wir Zuflucht im Kusushi Schrein suchten. Dort überlegten wir uns was wir jetzt tun sollten, denn wir waren jetzt auf 3715 m. Um auf den höchsten Punkt (3776 m) zu kommen, hätten wir den Krater umrunden müssten. Das sind 3 km Fußweg, der bei gutem Wetter etwa 1,5 Stunden dauert.

Wir mussten uns zwischen schnellstmöglichen Abstieg und 3 km Wanderung durch gefährliches Wetter entscheiden. Wie hättet ihr euch entschieden? Hier ein Eindruck vom Wetter:

Wir haben uns schnell dazu entschieden uns den Weg bei diesem Wetter zu sparen und uns schnell zum Abstieg zu begeben, denn der Wind sollte im Laufe des Tages noch weiter zunehmen.

Auf- und Abstieg sind von einander getrennt. Der Weg nach unten besteht komplett aus Serpentinen. Diese sind teils sehr steil haben kiesigen Untergrund. Der Weg es etwa 2 m briet und danach geht es abwärts. Auf den ersten Metern des Abstieges war der Wind so stark, dass wir uns einige Male gegenseitig festhalten mussten um nicht zur Rand des Weges geweht zu werden. Außerdem war die Sicht auf etwa 15 Meter beschränkt und der Regen hörte auch nicht auf. Das war sehr beängstigen und sorgte dafür, dass wir nur sehr langsam vorankamen. Der Wind nahm glücklicherweise etwas ab, nachdem wir die ersten 15 Minuten abgestiegen waren.

Durch den steilen Weg nach unten geht der Abstieg zwar deutlich schneller, aber auch  sehr auf die Beine und kommt einem durch die nicht enden wollenden Serpentinen immer gleich vor. Wind und Regen nahmen weiter ab.

Wir erreichten die Höhe der 8. Station, wo meine reparierten Schuhe auf mich warteten. Der Abstieg ist mit an der Stelle über einen Querweg mit dem Aufstieg verbunden. Der Umweg um die Schuhe zu holen, dauerte etwa eine halbe Stunde. Die Schuhe wurden jetzt mit Schrauben und jeder Menge Klebeband zusammengehalten, sollten mich aber bis zurück nach Tokyo bringen, wo sie dann leider im Müll landeten.

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Den Rest des Abstieges wurde das Wetter dann immer besser und eine Zeit lang regnete es gar nicht. Da der Wind aber nicht aufhörte, bekam man jetzt statt Regen Staub ins Gesicht geblasen.

Gegen 12:30 Uhr erreichten wir die 5. Station und hatten noch viel Zeit, da unser Bus zurück nach Shinjuku erst um 16 Uhr fuhren. Wir zogen uns, soweit vorhanden, trockene Kleidung an und setzen uns mit einem warmen Tee in eines der Restaurants. Inzwischen war ich 33 Stunden wach und deshalb etwas müde.

Als wir in den Bus einstiegen, schlief ich fast auf der Stelle ein. Nach zwei Stunden Schlaf wachte ich wieder auf und nach drei Stunden Fahrt kamen wir in Shinjuku an. Von dort brauchten wir dann noch etwa eine Stunde mit der U-Bahn zur Unterkunft. Dort gab es eine heiße Dusche und dann ging es ins Bett.

Auch wenn das Wetter uns ordentlich geärgert hat und wir nicht am höchsten Punkt waren, war es doch ein tolles Erlebnis den Fuji zu besteigen. Ich kann es nur jedem empfehlen. Nur solltet ihr die Wettervorhersage ganz genau im Auge behalten.

Wer auch mal den Fuji besteigen will, der sollte sich den Beitrag von Wanderweib dazu ansehen. Da gibt es sehr viele und sehr gute Informationen. Viele davon habe ich bei der Planung auch genutzt.

 

 

Würdet ihr den Fuji auch besteigen? Was war (außer fliegen) der höchste Ort an dem ihr wart?

 

 

 

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4 Gedanken zu “# 158 Besteigung des Fujisan

  1. Thomas Gittel schreibt:

    Grandios! Abenteuerlich! Und absolut eindrucksvoll! Bei Sonnenschein kann schließlich jeder auf den Fuji! Alles Weitere dann per E-Mail…
    Und weil Du fragest: Mein höchster Punkt (außerhalb von Flugzeugen) lag bei ca. 4.200 Meter in den Anden – seither weiß ich, dass ich ab 3.500 Metern Höhe einen Gutteil meiner Jugendlichkeit einbüße…

    Gefällt 1 Person

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