#142 Mit Führerschein zum Strand

In Kyoto bin ich zwei Monate lang jeden Tag mit dem Fahrrad zur Sprachschule gefahren und konnte ein bisschen Erfahrung im japanischen Straßenverkehr sammeln und mich ans Linksfahren gewöhnen.

Außerdem haben ich schon Anfang Juni meinen deutschen Führerschein beim japanischen Autoclub JAF übersetzen lassen. In Kyoto gibt es eine Filiale. Dort geht man hin, gibt seinen Führerschein zur Übersetzung, bezahlt 3000 Yen (etwa 22 Euro) und wartet etwa zwei Stunden. Danach bekommt man seinen Führerschein und die Übersetzung und darf nun ein Jahr lang damit in Japan herumfahren.

autofahren-in-Japan-für-Deutsch

Bisher hatte ich noch keine Gelegenheit den Führerschein zu nutzen, aber unsere Gastgeberin hat uns angeboten, dass wir ihr Auto benutzen dürfen.

Und das haben wir am Dienstag gemacht. Wir haben uns am Tag zuvor noch mal kurz in die Verkehrsregeln eingelesen. Diese sind den deutschen schon sehr ähnlich, nur das halt auf der linken Seite gefahren wird und sich die bekannte Regel „Rechts vor Links“ somit in „Links vor Rechts“ umwandelt.

Auch im Auto ist es ein bisschen anders. Man sitzt auf der falschen Seite und auch Blinker und Scheibenwischer sind vertauscht. Außerdem ist der Schalthebel auf der linken Seite. Den braucht man aber nicht viel, da die meisten japanischen Autos Automatik haben.

Ich war schon ein bisschen aufgeregt bei der ersten Fahrt. Aber bis auf das ich den Scheibenwischer statt dem Blinker betätigt habe, ist alles gut gelaufen. In Japan wird sehr gemütlich gefahren. Das Tempolimit liegt Innerorts und auf dem Land bei 40 kmh und auf Autobahnen bei 100 kmh. Üblicherweise wird die zugelassene Geschwindigkeit von Japanern um 10 kmh überschritten. Dieser Gepflogenheit habe ich mich bereitwillig angepasst.

Nach den ersten paar 100 m kam die nächste Herausforderung auf mich zu, den das Auto musste betankt werden. Ich fuhr also an die Tankstelle heran und alles ging wie von selbst. Ich wurde vom Personal an die Zapfsäule heran gewunken und musste nichts machen als auf Japanisch zu sagen, dass ich 10 Liter Regular (Benzin) brauche. Dann schauten wir zu, wie das Auto betankt und Frontscheibe, sowie Seitenspiegel geputzt wurden. Danach wurden wir abkassiert und es wurde für uns geschaut, dass kein Auto kommt und ich die Tankstelle sicher verlassen kann. Hier fühlt man sich als Kunde tatsächlich wie ein Gott.

Unsere erste Autofahrt führe uns zu einen etwa 5 km entfernten, weiter südlich liegendem Soba-Restaurant. Dort gab es ein köstliches Mittagessen bestehend aus kalten Soba, Reis und Tempura. Danach fuhren wir noch ein Stück weiter gen Süden und sahen uns den Stand an. Leider war das Wetter nicht gut genug, um meine neue Badehose einzuweihen, aber für Füße ins Meer stellen und ein bisschen im Sand buddeln hat es gereicht.

Nach etwa 20 km war unsere erste Ausfahrt vorbei. Es wird aber sicher nicht die letzte gewesen sein. Die ländliche Gegend eignet sich sehr gut, um sich an das Autofahren in Japan zu gewöhnen. Keine mehrspurigen Straßen, wenig Ampeln und gemächliche Geschwindigkeit sind perfekt dafür.

 

 

Habt ihr Erfahrung darin im Ausland Auto zu fahren? Seit ihr schon auf der linken Seite gefahren?

Advertisements

5 Gedanken zu “#142 Mit Führerschein zum Strand

  1. Thomas Gittel schreibt:

    Ich hab‘ mir meinerzeit sogar einen japanischen Führerschein ausstellen lassen (während des ersten Jahres des Aufenthalts kann man das als Deutscher – oder konnte man zumindest vor ein paar Jahren) – inzwischen habe ich sogar schon einen „goldenen japanischen Führerschein“ für mehrere Jahre unfallfreien Fahrens (was man hier – wie sonstwo auf der Welt – am leichtesten erreicht, indem man wenig oder gar nicht fährt) 😉
    Was ich am japanischen Führerscheinsystem sehr schätze, sind die regelmäßigen Sehtests (die bei jeder der regelmäßigen Führerscheinerneuerungen fällig werden) und Unterrichte, an denen man teilnehmen muss. So bleibt man immer halbwegs auf dem Laufenden.

    Gefällt 1 Person

    • einjahrjapan schreibt:

      Glückwunsch zum goldenen Führerschein 😉 Führerscheinerneuerung mit Sehtest klingt vernünftig. In Deutschland fahren zu viele richtig alte Menschen herum, die einfach nicht mehr ans Steuer gehören.

      Gefällt mir

  2. Thomas Gittel schreibt:

    Na ja, die gibt’s in Japan schon auch – obwohl die Hürden zur Verlängerung des Führerscheins ab 70 deutlich höher werden (da ist es dann mit einem Sehtest nicht mehr getan). Aber „schlechte“ Autofahrer gibt’s natürlich in allen Altersklassen.

    Gefällt 1 Person

  3. wordBUZZz schreibt:

    Ich fahre weder Auto noch Fahrrad, Fahrrad fahren ist in meiner Heimat purer Selbstmord und das Geschwindigkeits“limit“ in unserer Stadt ist gefühlt unbegrenzt.
    In Irland haben mich die Abbieger ganz schön auf Trab gehalten, Linksverkehr ist wirklich gewöhnungsbedürftig. Aber irgendwie süß, dass Japaner so langsam fahren…

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s